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Kolumne

16:13 Uhr | 10.11.2016

Vom Mauritianum und Hausaufgaben

Manchmal sitzt man als Journalist mit großem Erstaunen in Veranstaltungen wir einem Kreistag und fühlt sich ein wenig, als wäre man zu Hause. So bringe ich meinem Sohn bei, seine Hausaufgaben möglichst zeitnah und ordentlich zu erledigen. Als verantwortungsvoller Vater begleitet man das mit dem Satz, wie wichtig es im Leben sei, Aufgaben nicht vor sich her zu schieben. Die Kreisverwaltung hingegen zeigt, dass genau dieser Satz Unfug zu sein scheint.
So lief der Vertrag zwischen dem Mauritianum bzw. dem das Museum betreibenden Verein und dem Landratsamt am 31. Dezember 2015 (!!) aus. Darauf wurden die Verantwortlichen der Kreisverwaltung Mitte 2015 hingewiesen.
In der gestrigen Kreistagssitzung (9. November 2016!!) hingegen schlug nun eben jene Verwaltung vor, den Vertrag nur um ein Jahr zu verlängern. CDU und SPD forderten einen Vertrag über mindestens 10 Jahre, um den Mitarbeitern und den Projekten des Naturkundemuseums Sicherheit zu geben. Für die Kreisverwaltung seien noch zu viele Fragen offen. Auch auf die Nachfrage, warum man auf eine Vertragsverlängerung nach eineinhalb Jahren nicht vorbereitet sei, wusste die Landrätin keine Antwort.
Nun, das beruhigt nicht wirklich und ich fühlte mich auch ein wenig an die Ausreden meines Sohnes erinnert, warum die Hausaufgaben, die seit längerer Zeit zu Hause schlummern, erst am Abend vor der Abgabe angegangen werden. Aber wenigstens braucht mein Sohn keine Verlängerung der Frist und gibt seine Aufgaben dann tatsächlich immer pünktlich ab.
Ebenfalls erstaunlich war der Beitrag eines Vertreters der Regionalen, der sich u.a. fragte, welche Projekte das Mauritianum in den letzten zehn Jahren eigentlich gemacht habe. Nun könnte man darauf hinweisen, dass viele Ausstellungen des Museums dies dokumentiert haben, dass sowohl lokales Fernsehen als auch Zeitung regelmäßig darüber berichten, und dass der betreibende Verein und der Museumschef gern Rede und Antwort stehen. Sicher könnte man erwarten, dass ein Mitglied des Kreistages eine kreiseigene Einrichtung einmal besucht, sich in den Medien informiert und mit den Verantwortlichen ins Gespräch kommt, denn das wäre wiederum seine Hausaufgabe. Aber vielleicht ist das ebenso viel erwartet, wie ein optimiertes Zeitmanagement meines 11jährigen Sohnes?
Da offenbar so mancher Vertreter des Kreises kein gutes Beispiel für meinen Sohnemann ist, bleibt im Grunde nur das abschließende Zitat eines Lehrers, welches auch meinen Sohn ohne erledigte Heimarbeit treffen würde: "Fünf, setzen!"

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