Altenburg, 16.12.2017 21:32 Uhr

Redaktions-Blog

11:57 Uhr | 25.09.2017

Berlin ist weit weg!

Die AfD ist eine der stärksten politischen Kräfte im Altenburg Land. Das zumindest suggeriert das Wahlergebnis von gestern Abend. Damit wären fast 30 Prozent rechtem Gedankengut anheimgefallen. Dem widersprechen allerdings zahlreiche Studien, die bei den AfD-Wählern eher den Protest sehen, als eine programmatische Übereinstimmung.
Dies sei der Protest zur Flüchtlingspolitik sind sich die Führungskräfte der anderen Parteien auch im Altenburger Land einig. Das mag richtig sein, aber auch viel zu kurz gesprungen.
Berlin ist weit weg, sehr weit weg vom Altenburger Land. Nie konnte man dies mehr spüren, als während des Wahlkampfes 2017. Keine Berliner Politikgröße ließ sich im Altenburger Land sehen. Nicht einmal die Thüringer Spitzenkandidaten von CDU oder SPD warben in der Region um Stimmen. Man hat die lokalen Direktkandidaten allein gelassen, die teilweise, bedingt durch die Vergrößerung des Wahlkreises um Gera, vor Ort gar keinem mehr bekannt waren.
Während die Wähler, laut zahlreicher Umfragen, wichtige Themen im Wahlkampf vermissten, glaubten lokale Bundes- und Landespolitiker auch bei einem der wenigen Wahlforen im Altenburger Land, dass es sich um einen spannenden thematischen Wahlkampf handle. Ja, ja, Berlin ist eben sehr weit weg.
Natürlich geht es den Deutschen gut, sehr gut sogar. Auch die Bürger im Altenburger Land haben im internationalen Maßstab eher wenig Grund zu klagen. Aber trotzdem türmen sich die politischen Baustellen in Berlin und Erfurt und wurden nie angegangen.
Auch aus dem Altenburger Land fließen die hier erwirtschafteten Steuern an die Mutterkonzerne der lokalen Ableger, jenseits der Elbe. Eine Steuerreform könnte hier gerechter verteilen. Auch im Altenburger Land stauen sich notwendige Sanierungen in Schulen, weil die Finanzmittel der Kommunen immer knapper werden. Eine Förderalismusreform könnte hier helfen. Auch im Altenburger Land sterben die Geschäfte in den Innenstädten auf Grund des Internethandels. In Thüringen hat man daran einen besonderen Anteil, immerhin war hier dem damaligen SPD-Wirtschaftsminister die Ansiedlung von Zalando mehrere Millionen Euro wert. Ein Fokus auf klein- und mittelständische Unternehmen würde eher der lokalen Wirtschaft als einem kurzfristigen Börsenwert helfen.
Man könnte diese Liste endlos weiterführen und die AfD ist die letzte Partei, die hier nur irgendeinen Lösungsansatz offeriert. Aber sie gibt dem unbestimmten Gefühl, dass so manches in Deutschland, in Thüringen oder dem Altenburger Land doch nicht ganz so gut funktioniert, wie Wahlplakate dies gern vermitteln, einen Protestkanal.
So einfach wie die Antworten der AfD auf die globalen Probleme, sollten auch die Antworten auf den Wahlsieg der Rechtspopulisten durch die demokratischen Parteien nicht ausfallen, sonst bleibt Berlin weit weit weg und die AfD stark.

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