Altenburg, 19.10.2017 16:30 Uhr

Redaktions-Blog

11:57 Uhr | 25.09.2017

Berlin ist weit weg!

Die AfD ist eine der stärksten politischen Kräfte im Altenburg Land. Das zumindest suggeriert das Wahlergebnis von gestern Abend. Damit wären fast 30 Prozent rechtem Gedankengut anheimgefallen. Dem widersprechen allerdings zahlreiche Studien, die bei den AfD-Wählern eher den Protest sehen, als eine programmatische Übereinstimmung.
Dies sei der Protest zur Flüchtlingspolitik sind sich die Führungskräfte der anderen Parteien auch im Altenburger Land einig. Das mag richtig sein, aber auch viel zu kurz gesprungen.
Berlin ist weit weg, sehr weit weg vom Altenburger Land. Nie konnte man dies mehr spüren, als während des Wahlkampfes 2017. Keine Berliner Politikgröße ließ sich im Altenburger Land sehen. Nicht einmal die Thüringer Spitzenkandidaten von CDU oder SPD warben in der Region um Stimmen. Man hat die lokalen Direktkandidaten allein gelassen, die teilweise, bedingt durch die Vergrößerung des Wahlkreises um Gera, vor Ort gar keinem mehr bekannt waren.
Während die Wähler, laut zahlreicher Umfragen, wichtige Themen im Wahlkampf vermissten, glaubten lokale Bundes- und Landespolitiker auch bei einem der wenigen Wahlforen im Altenburger Land, dass es sich um einen spannenden thematischen Wahlkampf handle. Ja, ja, Berlin ist eben sehr weit weg.
Natürlich geht es den Deutschen gut, sehr gut sogar. Auch die Bürger im Altenburger Land haben im internationalen Maßstab eher wenig Grund zu klagen. Aber trotzdem türmen sich die politischen Baustellen in Berlin und Erfurt und wurden nie angegangen.
Auch aus dem Altenburger Land fließen die hier erwirtschafteten Steuern an die Mutterkonzerne der lokalen Ableger, jenseits der Elbe. Eine Steuerreform könnte hier gerechter verteilen. Auch im Altenburger Land stauen sich notwendige Sanierungen in Schulen, weil die Finanzmittel der Kommunen immer knapper werden. Eine Förderalismusreform könnte hier helfen. Auch im Altenburger Land sterben die Geschäfte in den Innenstädten auf Grund des Internethandels. In Thüringen hat man daran einen besonderen Anteil, immerhin war hier dem damaligen SPD-Wirtschaftsminister die Ansiedlung von Zalando mehrere Millionen Euro wert. Ein Fokus auf klein- und mittelständische Unternehmen würde eher der lokalen Wirtschaft als einem kurzfristigen Börsenwert helfen.
Man könnte diese Liste endlos weiterführen und die AfD ist die letzte Partei, die hier nur irgendeinen Lösungsansatz offeriert. Aber sie gibt dem unbestimmten Gefühl, dass so manches in Deutschland, in Thüringen oder dem Altenburger Land doch nicht ganz so gut funktioniert, wie Wahlplakate dies gern vermitteln, einen Protestkanal.
So einfach wie die Antworten der AfD auf die globalen Probleme, sollten auch die Antworten auf den Wahlsieg der Rechtspopulisten durch die demokratischen Parteien nicht ausfallen, sonst bleibt Berlin weit weit weg und die AfD stark.

weitere Meldungen aus dieser Rubrik

01.09.2017

Raus aus dem Zirkus und rein in das Chaos

Das Wildtierverbot in Altenburg ist vom Tisch. Wohlgemerkt, gab es in der Skatstadt kein generelles Verbot wilder Tiere im Zirkus.... [mehr]

15.03.2017

Der Realität verweigern?

Gibt es in Altenburg nun Rassismus oder nicht? Altenburgs Oberbürgermeister scheint darin Einzelfälle zu sehen, die, wenn darüber... [mehr]

25.05.2014

Good bye Stadtrat und Kreistag

Jawohl sie sind die Geschichte, der alte Stadtrat in Altenburg und der alte Kreistag des Landkreises. Doch der König ist tot und lang... [mehr]

29.03.2017

Nun doch nicht?

Tatsächlich hat sich zwischen September 2016 und März 2017 nichts geändert. Schon damals war klar, dass die Stadt Altenburg mindestens... [mehr]

05.03.2014

Wahlkämpfer bringen sich in Stellung

Noch sind nicht alle (Wahl-)Würfel gefallen, aber zumindest die ersten, und da lohnt es sich, etwas im Kaffeesatz zu lesen. Immerhin... [mehr]

28.04.2015

KITA-Prozess: Mehr Unklarheiten?

Die Erzieherinnen sind im Prozess um die Vorkommnisse in der Altenburger KITA Spatzennest freigesprochen wurden. Damit könnte man zur... [mehr]

08.12.2016

Haushalt: Nach uns die Sintflut?

Der Haushalt im Landkreis ist vom Tisch, vorerst. Auf Antrag der Regionalen wurde der Etatentwurf der Verwaltung auf der gestrigen... [mehr]

15.12.2014

Im (Schein)Kampf gegen den Gestank?

Fast könnte man vermuten, dass der Vorsitzende des Altenburger Bauausschusses, Peter Müller (Pro Altenburg), im Sinne der Anwohner des... [mehr]

31.03.2017

Stadtrat: Es lebe die Demokratie?

Es war mit Sicherheit eine denkwürdige Stadtratssitzung am gestrigen Abend. Doch dies nicht allein wegen des Beschlusses für die... [mehr]