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Kolumne

10:27 Uhr | 30.01.2015

Nachhilfe in Grammatik?

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Beitrag: Nachhilfe in Grammatik?

Manchmal ahnt man auch als Journalist nicht so wirklich, wofür eine Stadtratssitzung alles gut ist. Natürlich geht es hier um die Zukunft der Stadt und um das Wohl seiner Bürger, oder manchmal einfach nur um Nachhilfe in Grammatik. So wunderte sich in der gestrigen Sitzung der Fraktionsvorsitzende von Pro Altenburg, Peter Müller, dass das Protokoll der Sitzung in der „Möglichkeitsform“ geschrieben ist. Als Beispiel zitierte er aus der vorangegangenen Sitzung: „Er (P. Müller) fragt, was in 2015 anders wäre, dass der Beschluss nun unbedingt notwendig sei, um ein Altstadtfest durchzuführen.“
Mit genau dieser „Möglichkeitsform“ erklärte sich Müller nun nicht einverstanden. Er könne der Niederschrift der Sitzung so nicht zustimmen. Der Stadtratsvorsitzende, Dr. Sandy Reichenbach, erklärte, dass der Konjunktiv an dieser Stelle richtiger sei als der Indikativ. Immerhin berichte ein Dritter über die Geschehnisse. Da die Kommunalordnung kein „Wortprotokoll“ vorschreibe, könne das Büro des Stadtrates in einer verknappten Niederschrift zitieren. Dafür wiederum sei der Konjunktiv die einzig richtige grammatikalische Form, erläuterte Dr. Reichenbach.
Nun ist dem Beobachter unklar, ob der Fraktionschef über das Wort Konjunktiv oder Indikativ gestolpert ist, aber Müller fragte erneut nach. Er habe aber doch zur fraglichen Sitzung u.a. davon gesprochen, „dass der Beschluss nötig ist“ und nicht „sei“. Reichenbach verzichtete auf eine erneute Erklärung, immerhin hatte er schon vorab mitgeteilt, dass, sollte Peter Müller die Art der Niederschrift nicht passen, er ja den Antrag stellen könne, den Vorsitzenden abzuwählen. Dies wäre dann ein wirklich spannendes Ereignis. Denn hier stünde nicht das Duell Müller gegen Reichenbach, als vielmehr Müller gegen die Deutsche Grammatik an.
Dem Beobachter bleibt nach diesen historisch spannenden Geschehnissen im Stadtrat zwei Möglichkeiten eines Resümees. Einerseits handelt es sich um rund zehn Minuten des Lebens zahlreicher Altenburger, die ihnen Herr Müller nicht zurückgeben kann. Oder, dem Verfall der deutschen Sprache Einhalt gebietend, könnten die ersten zehn Minuten der Stadtratssitzung grundsätzlich für das Auffrischen grammatikalischer Grundkenntnisse genutzt werden. Denn auch hier ist mitunter der „Dativ dem Genitiv sein Tod“ wie der Konjunktiv unklar und der Indikativ suspekt.

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