Altenburg, 17.03.2026 02:29 Uhr

Kolumne

15:20 Uhr | 30.01.2026

Die Altenburger Trotzphase: Wenn das „Nein“ zum Prinzip wird

Man kennt das aus dem Supermarkt: Ein Kind wirft sich schreiend auf den Boden, trommelt mit den Fäusten und ist durch nichts zu beruhigen. Meistens geht es um ein Überraschungsei oder die pure Lust am Widerstand. Eltern wissen: Das ist eine Phase, das geht vorbei. Wer allerdings am Donnerstag die Stadtratssitzung in Altenburg verfolgte, musste feststellen: Manche Phasen dauern offensichtlich länger.

 

Der Hauptdarsteller im Altenburger „Supermarkt des lokalen Polit-Theaters“: Peter Müller (Pro Altenburg).

 

Akt 1: Das teure Gesicht der Stadt

 

Es begann fast harmlos mit dem neuen Corporate Design der Stadt. Müller lief sofort auf Betriebstemperatur auf und wetterte gegen die Kosten, wobei er den Eindruck vermittelte, diese nicht zu kennen. Ein künstlicher Sturm im Wasserglas, wie OB André Neumann feststellte. Denn: Müller selbst hatte den Haushalt, der 25.000 Euro für das neue Layout vorsah, mit beraten. Dass die Verwaltung am Ende sogar nur 18.000 Euro ausgab, also quasi ein Schnäppchen lieferte, störte die Show für die Galerie wenig. Auch nicht, dass alle Fraktionsvorsitzenden über Monate in den Prozess eingebunden waren. Wenn man gegen etwas sein will, sind Fakten eben oft nur lästiges Beifang-Material. Dabei hätte ein Blick in die eigene Fraktion genügt. Aus den hinteren Reihen diskutierten Vertreter von Pro Altenburg das Thema deutlich konstruktiver und zielorientierter.

 

Akt 2: Das Paradoxon vom Roßplan

 

Richtig skurril wurde es beim Thema Roßplan. Die CDU und die Linke hatten Anträge für die Straße um den Roßplan eingebracht. Es ging um Asphalt statt Pflaster, um Lärmschutz und Sicherheit. Eigentlich genau das, was Müllers eigene Bürgerinitiative für die Straße fordert. Man stelle sich vor: Das Kind im Supermarkt bekommt die ersehnte Süßigkeit – und tritt den Eltern trotzdem vors Schienbein. Müller witterte „Pläne durch die Hintertür“ und verstieg sich zu der demokratisch exklusiven Ansicht, dass eigentlich nur Anwohner (wie er selbst) über die Straße entscheiden dürften. Wer dort nicht wohnt, hat gefälligst die Klappe zu halten? Ein interessantes Verständnis von kommunaler Selbstverwaltung, das den Rest des Rates eher fassungslos zurückließ. Außerdem wolle jeder, der Asphalt fordere einen künftigen Zweirichtungsverkehr der heutigen Einbahnstraße. Da nutzten auch die Hinweise nichts, dass darüber aktuell gar nicht entschieden werde.

 

Akt 3: Karma, Redezeit und das große Schweigen

 

Als Müller schließlich sogar die verbale Abfahrt zur Lindenau-Straße nahm und sich völlig im Dickicht seiner Argumentation verhedderte, zog Ratsvorsitzender Christian Götze die Reißleine. Wortentzug wegen Zeitüberschreitung und Themenverfehlung. Götze nutzte den Moment für eine Replik, die man unter „Karma is a bitch“ verbuchen konnte: Wer immer nur „dagegen“ ist – egal ob Pflaster oder Asphalt –, verliert irgendwann die politische Kompassnadel. Diesmal erhielt der Fraktionschef von Pro Altenburg, der selbst gern polemisch austeilt, eine ähnlich geartete Replik.

Der krönende Abschluss? Müllers Versuch, Götze per Geschäftsordnungsantrag das Wort zu verbieten. Auf die Frage, wie dieser Antrag denn nun konkret laute, folgte: Stille. Peter Müller musste sich erst einmal beraten lassen, während im Saal Gelächter aufbrandete.

 

Das Fazit: Es ist das eine, wenn ein Kind im Supermarkt schreit, weil es seinen Willen nicht bekommt. Es ist etwas völlig anderes, wenn ein Stadtratsmitglied um sich tritt, obwohl er bekommt, was er will – nur um des Krawalls willen. In der Politik nennt man das Destruktivität. Im Supermarkt nennt man es: Zeit für den Heimweg.

 

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