16:21 Uhr | 24.11.2023
Der Bestand an Werken des Künstlers Ernst Müller-Gräfe im Lindenau-Museum Altenburg bekommt Zuwachs: Dank der großzügigen Schenkung durch die Galeristin und Künstlerin Dorothee Kuhbandner kann das Kunstmuseum Müller-Gräfes Gedächtnisaltar für Elfriede Friedrich in seiner Sammlung begrüßen – mit zeitlicher Verzögerung. Bevor das fünfteilige Altarwerk nach zwei früheren Stippvisiten endgültig nach Altenburg kommt, dient es als restauratorisches Diplomobjekt an der Hochschule für Bildende Künste Dresden.
Die Ausmaße des von Ernst Müller-Gräfe geschaffenen Gedächtnisaltars sind gewaltig: Das Werk hat eine Höhe von fast fünf Metern und eine Breite von zweieinhalb Metern. Über einem Inschriftenbild ragen mehrere Figuren auf, über denen ein Christus thront. Ganz ähnlich den Treppenhausgemälden Müller-Gräfes im Lindenau-Museum orientiert sich der Stil des Gemäldes an der Formen- und Farbensprache des Expressionismus.
Die ungewöhnliche Gestaltung des Gedächtnisaltars ist wohl auch ein Grund für die bewegte Geschichte des Werkes: 1925 bis 1927 von Müller-Gräfe angefertigt und größer als ursprünglich geplant, stellt der Pfarrer Karl Josef Friedrich, der den Altar anlässlich des frühen Todes seiner Frau Elfriede anfertigen ließ, das Werk 1931 in der Kirche in Seifersdorf auf. Mit dem Beginn der NS-Zeit muss der Altar abgebaut werden, woraufhin er in das Lindenau-Museum gebracht wird. Infolge der Aktion „Entartete Kunst“ werden die Malereien (übrigens in zufälliger Anwesenheit des Leihgebers) beschlagnahmt und nach Berlin transportiert. Erst ein Jahr nach Müller-Gräfes Tod 1954 wird der Altar im Rahmen einer Gedächtnisausstellung im Lindenau-Museum wieder der Öffentlichkeit gezeigt. Schließlich gelangen die fünf Altarbilder erneut zu Karl Josef Friedrich, wo sie lange Zeit im Pfarrhaus hingen. Zuletzt wurden die Teile von der Enkelin des Pfarrers, Dorothee Kuhbandner, aufbewahrt.
Als Dorothee Kuhbandner kürzlich die Hochschule für Bildende Künste Dresden um Hilfe bei der Restaurierung des Altars bat, suchte Professorin Ursula Haller auf der Suche nach einer dauerhaften Bleibe für das Werk den Kontakt zum Lindenau-Museum. Erst im Gespräch wurde offenbar, welch engen Bezug der Altar zum Altenburger Museum hat. In einem vertrauensvollen Austausch zwischen Dorothee Kuhbandner und dem Lindenau-Museum wurde dann die Schenkung des Gedächtnisaltars an das Kunstmuseum vereinbart. Bevor das imposante Werk jedoch nach Altenburg kommt, 70 Jahre nach seinem letzten Aufenthalt, wird nun ein Gutachten für den restauratorischen Umgang damit erstellt. Lucas Marz, Diplomand für Restaurierung an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, erstellt in seiner Abschlussarbeit ein Rekonstruktions- und Präsentationskonzept für den Gedächtnisaltar. Daneben werden auch kunsthistorische wie kunsttechnologische Untersuchungen angestellt. Abschließend werden partielle Ausbesserungen am Bildträger sowie umfangreiche Reinigungsarbeiten vorgenommen.
Im Lindenau-Museum Altenburg wird das Werk anschließend den ohnehin umfangreichen Bestand an Arbeiten Ernst Müller-Gräfes erweitern. Damit schließt das Werk mit seiner außergewöhnlichen Geschichte eine Lücke im bisher bekannten Wirken des Künstlers und gibt Aufschluss über seine stilistische Entwicklung. Zugleich wird das Werk im Blickfeld weiterer Untersuchungen zu Müller-Gräfe und den Wandbildern im Lindenau-Museum, im Ernestinum und in der Trauerhalle am Friedhof stehen, die im Vorfeld der Wiedereröffnung des Lindenau-Museums und der Neupräsentation seiner Wandgemälde forciert werden.
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