Altenburg, 01.05.2026 05:56 Uhr

Regionales

15:50 Uhr | 21.10.2015

Erschüttert über Thügida-Auftritt

Erschüttert vom Auftreten der „Thügida“-Redner am Montagabend zeigt sich Altenburgs Oberbürgermeister Michael Wolf. Rund 2250 Demonstranten, die besorgt über den gegenwärtig unkontrollierten Zuzug von Flüchtlingen sind, waren zu einer Kundgebung auf dem Marktplatz gekommen, rund 1000 Gegendemonstranten versammelten sich in und vor der Brüderkirche sowie dem Theater. Während von den Thügida-Gegnern  die Botschaft ausging, dass die Stadt keine Angst vor den Fremden haben solle, wurden vor dem Rathaus eindeutig rechtsradikale Parolen gegrölt.
Der Oberbürgermeister zieht aus dem Geschehen vom Montagabend einige Schlussfolgerungen. Zunächst gelte es erstens, den Scharfmachern vom rechten Rand energisch die Stirn zu bieten. „Die diese schlimme Hetze verbreiten, dürfen in Altenburg keine Chance kriegen“, so das Stadtoberhaupt. Gegenüber Rechtsradikalen dürfe es keine Toleranz geben, die Demokratie müsse wehrhaft sein.
Für den Oberbürgermeister ist an dem Abend überdies klar zu sehen gewesen, dass unter den 2250 Leuten, die zu der „Thügida“-Kundgebung kamen, viele Menschen waren, die aus der Mitte der Gesellschaft kommen, keine rechtsradikale Gesinnung haben, aber nach Orientierung und Antworten zur Flüchtlings-problematik suchen. Es sei falsch, sie alle pauschal mit dem Etikett „Nazi“ zu versehen. Vielmehr gelte es, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, um sie in die gesellschaftliche Mitte zurückzuholen. „Wir müssen mit den besorgten Menschen reden, ihre Ängste ernst nehmen und ihre Fragen – soweit wir es vermögen – beantworten“, so Michael Wolf.
Um diese Menschen zurück zu gewinnen müsse zweitens um Toleranz geworben und ehrliche Aufklärungsarbeit geleistet werden. Die Risiken und Probleme, die aus dem Zuzug von Flüchtlingen resultieren, dürften nicht verschwiegen werden, das treibe die Leute in die Fänge der Rechtsradikalen.
Altenburgs Oberbürgermeister Wolf fordert drittens die verantwortlichen Mitarbeiter der Ausländerbehörde im Landratsamt auf, die Verteilung der Flüchtlinge nicht nach Kassenlage der Kreisverwaltung oder mit der Ausrede des geringeren Verwaltungsaufwandes vorzunehmen. Vielmehr müsse sie ihrer Verantwortung nachkommen und die Flüchtlinge im Landkreis gleichmäßiger verteilen. „Es ist nicht länger zu tolerieren, dass die Kreisstadt nach wie vor mehr als 80 Prozent der rund 650 Asylbewerber aufnimmt und – abgesehen von Schmölln – sich andere Kommunen aus ihrer Verantwortung stehlen“, so der Oberbürgermeister. Trotz mehrfacher Lippenbekenntnisse, dies zu tun, spreche die Verwaltungspraxis des Landratsamtes eine andere Sprache. Der Oberbürgermeister erwartet nunmehr Führungsverantwortung von der Landrätin, weil sonst soziale Spannungen in Altenburg vorprogrammiert seien und eine schwer beherrschbare Unzufriedenheit erzeugt werde.
Oberbürgermeister Wolf fordert viertens die Bereitschaft aller verantwortlichen Politiker von Bund, Land und Kommunen, der Bevölkerung regelmäßige Gesprächsangebote zu unterbreiten. „Wir müssen uns um die Mitte der Gesellschaft bemühen, um die Bürgerinnen und Bürger, die in großer Sorge um den sozialen Frieden und die Werte unserer Gesellschaft sind, die wir uns gemeinsam erarbeitet haben.“
Fünftens fordert Altenburgs Oberbürgermeister die Bundespolitik auf, endlich klare Signale zur Eindämmung des Flüchtlingsstroms zu senden, indem alles Erdenkliche getan wird, die Kriegsregionen zu befrieden, den Wohlstand vor Ort anzuheben und in Deutschland wirksamere Verwaltungsstrukturen zur Registrierung der Flüchtlinge, zur Umsetzung der Asylverfahren und zur Eingliederung zu schaffen und dies auf allen Politikebenen ordentlich und zeitnah zu finanzieren. Der Oberbürgermeister: „Die Finanzierung der Lasten der Flüchtlingsproblematik darf nicht zur Einschränkung der kommunalen Leistungsfähigkeit führen, was sich gegenwärtig leider abzeichnet.“ Dies sei inakzeptabel. „Wir können den Bürgerinnen und Bürgern nicht zumuten, dafür soziale, kulturelle und infrastrukturelle Einrichtungen zu schließen. Nur wenn wir diese Aufgaben realisieren, können wir die Flüchtlingsproblematik bewältigen.“
Abschließend dankt der Oberbürgermeister den zahlreichen ehrenamtlichen Helfern, ohne deren aufopferungsvolle Tätigkeit die Herausforderungen nicht gemeistert werden könnten.

weitere Meldungen aus dieser Rubrik

23.04.2026

Nachrichten aus Altenburg und Umgebung

Altenburg - Unser News-Update aus dem Altenburger Land - Es wird ernst mit einem spektakulären Drogenfund in Ostthüringen – hier... [mehr]

29.04.2026

Schenk will weniger Bürokratie bei Gesundheitshandwerk

Thüringens Gesundheitsministerin Katharina Schenk hat im Kabinett eine Bundesratsinitiative zum Abbau bürokratischer Hürden im... [mehr]

28.04.2026

Tanz in den Mai mit dem Downbeatclub

ALTENBURG. Vergessen Sie herkömmliche Maifeiern – am 30. April wird das Paul-Gustavus-Haus zum Landeplatz für ein musikalisches Erlebnis... [mehr]

22.04.2026

Richtfest für Spielewelt am 8. Mai

Zum „Tag der Städtebauförderung“ hat sich die Stadt in diesem Jahr Besonderes einfallen lassen. In einer Ausstellung am Yosephinum wird... [mehr]

23.04.2026

Auf der Spur der eigenen Geschichte

Altenburg - Das Mauritianum hat eine Sammlung, welchebis zur Gründung der naturforschenden Gesellschaft im 19. Jahrhundert... [mehr]

23.04.2026

Wie sozial ist die aktuelle Politik?

Altenburg - Der soziale Staat ist in aller Munde – doch gerade bei klammen Kassen wird soziale Arbeit oft nur als reiner Kostenfaktor... [mehr]

28.04.2026

Schulkinder pflanzen Bäumchen

Diesen Schultag werden sie nicht so schnell vergessen: 43 Mädchen und Jungen der Grundschule Karolinum halfen jetzt der Stadt bei... [mehr]

30.04.2026

Altenburger Theater öffnet wieder - als neues Interim

Altenburg - Wenn eine Baustelle zur scheinbar unendlichen Geschichte wird, ist Erfindergeist gefragt. Genau den muss das Theater... [mehr]

30.04.2026

Landratsamt empfiehlt Reise-Impfung

Altenburg. Der Sommer steht vor der Tür und mit ihm die heiß ersehnte Reisezeit, wenngleich es natürlich ganzjährig rund um den Globus... [mehr]

AGB TV - Livestream
Neu in der Mediathek

Kultur im Altenburger Land

Kultur im Altenburger Land

Sendung vom 30.04.2026

Bericht aus Erfurt - Landtag aktuell

Bericht aus Erfurt - Landtag aktuell

Sendung vom 23.04.2026

45 Minuten Thüringen

45 Minuten Thüringen

Sendung vom 23.04.2026