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Regionales

16:24 Uhr | 14.11.2012

Rückblick auf Veranstaltung

Zum ersten Mal hat der Kommunalpolitische Ring Altenburger Land e.V. (KORA) in diesem Jahr gemeinsam mit der Stadt Altenburg das Pogromnachtgedenken in der Pauritzer Straße organisiert und im Anschluss daran mit einem Projekt der besonderen Art eigene Akzente gesetzt.

Vor dem Altenburger Rathaus, also dem Gebäude, in das vor 74 Jahren jüdische Männer gedemütigt, geschlagen, bespuckt oder beschmiert getrieben wurden, präsentierte der Verein auf einem Banner 221 ermittelte Namen ehemaliger jüdischer Einwohner und ihrer Familien im Zeitraum 1933 bis 1945.

Vereinsvorsitzender Christian Repkewitz, der Leiter des Projekts unter dem Titel „Verblasste Spuren“ war, begründete noch einmal kurz den Ansatz der Aktion: „In jedem Jahr gedenken wir am 9. November DEN Altenburger Juden. Und wir wollten die Frage aufklären, wer DIE Altenburger Juden eigentlich waren bzw. sind“. So hatte KORA eine Datensammlung erstellt, die neben den Namen der jüdischen Einwohner und ihrer Familienangehörigen u. a. auch Angaben zu ihrem Schicksal enthielten. „Manchmal braucht es nüchterne Zahlen, um ein so emotionales Thema greifbar, vielleicht auch begreifbar oder gar unbegreifbar zu machen“, war sich der KORA-Chef sicher. Er wies darauf hin, dass von den 210 im Arbeitszeitraum 1933 bis 1945 in der Stadt Altenburg lebenden Juden mehr als die Hälfte den Holocaust nicht überlebt hatten, 90 fliehen mussten und acht Familien durch die Gräueltaten der Nazis ganz ausgelöscht wurden. Von den 71 Kindern unter 18 Jahren (1938) wurden 30 ermordet, flohen 40 und von einem ist das Schicksal unbekannt.

Die 221 Namen wurden von sechs Personen abwechselnd vorgelesen und für jeden von ihnen eine Kerze angezündet. Am Ende brannten 221 Kerzen, die symbolisch für die ehemaligen jüdischen Einwohner Altenburgs und ihre Familienangehörigen standen. Als das künstliche Licht gelöscht wurde, entstand eine ergreifende Atmosphäre, die geholfen hat, die „verblassten Spuren“ wieder ins Licht zu rücken. Der Kommunalpolitische Ring Altenburger Land hat das Pogromnachtgedenken eng an die Schicksale der 221 auf dem 6,50 Meter langen und 60 Zentimeter breiten Textilband verewigten Personen geknüpft. Für viele der knapp 100 Teilnehmer war damit ein würdiges Gedenken ermöglicht worden.

Der Verein, der mit dem Verlauf und den Ergebnissen des Projekts sehr zufrieden ist, dankte den Unterstützern. So z.B. den Verantwortlichen für die Vergabe von Zuwendungen aus dem Lokalen Aktionsplan Altenburger Land, die die Finanzierung des Projekts im Wesentlichen gesichert hatten. Aber auch für die aufopferungsvolle Unterstützung des ehemaligen Altenburgers Ingolf Strassmann, der sich seit Jahren mit der Geschichte der Altenburger Juden befasst, fand der Verein lobende Worte. „Ohne seine Mitwirkung und Hilfe wäre das Projekt in dieser Art gar nicht möglich gewesen“, konstatiert Vorsitzender Christian Repkewitz.

Auch den Schülern des Friedrichgymnasiums und der Gemeinschaftsschule Erich Mäder dankte der Verein. Sie hatten sich mit großem Einsatz an dem vorgeschalteten Schulprojekt „Anne Frank war nicht allein“ beteiligt, dessen Erfolg im Wesentlichen der engagierten Anleitung von Brita Müller-Weiske zu verdanken war.

Neue inhaltliche Ansätze für Anschlussprojekte werden im Verein bereits gesammelt. Die KORAner sehen in dem Gedenken an die ehemaligen jüdischen Einwohner Altenburgs kein politisches oder gesellschaftliches Ritual, sondern eine gelebte Erinnerungskultur.

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