10:19 Uhr | 28.07.2025
Altenburg - Am Morgen des 24. Juli 2025 machten über 30 Radfahrerinnen und Radfahrer der "Radtour pro Organspende" Halt im Klinikum Altenburger Land (KAL). Anlass war eine seit 2007 jährlich stattfindende Tour, die in diesem Jahr in sechs Etappen mit insgesamt 400 km von Erfurt nach Dresden geplant ist. Empfangen wurden die über 35 Transplantierten, Dialysepatienten sowie Lebendspender und Begleiter vom Ärztlichen Direktor, Prof. Dr. Jörg Berrouschot und Kolleginnen und Kollegen der Intensivstationen. Sie haben die meisten Berührungspunkte mit dem Thema Organspende.
Plädoyer für Widerspruchsregelung
Prof. Berrouschot, selbst Neurologe und jahrelang transplantationsbeauftragter Arzt im KAL, brachte es nach der Begrüßung schnell auf den Punkt. Warum gibt es keine Regelung, dass jeder potentieller Organspender ist, fragte er, an die politischen Entscheider und den Gesetzgeber gerichtet. In kurzen Worten beschrieb er die schwierige Situation der Ärzte; wenn ein Mensch im Krankenhaus verstirbt, ist das für die Angehörigen eine schlimme Situation. Sollte eine Organtransplantation möglich sein, müssen die Ärzte gerade in diesem schweren Moment die Angehörigen in dieser Frage ansprechen. Die Angehörigen seien meist sehr unsicher in ihrer Entscheidung. Oft sei in den Familien über dieses Thema vorher nicht gesprochen wurden. Das Organspende - Register sei ebenfalls unbrauchbar. Noch nie habe man im KAL erlebt, dass dort jemand registriert war. Es sei auch für die transplantationsbeauftragte Ärztin ein immenser Aufwand, sich dort überhaupt einzuloggen, beschreibt er die Probleme in der Praxis. Seit 30 Jahren begleite ihn als Arzt unverändert die Problematik der Organspende. Aus all diesen Gründen plädiere er für die Widerspruchsregelung, wie sie in den meisten europäischen Ländern bereits seit Jahren praktiziert werde. Der Fokus müsse darauf gerichtet sein, dass sich die Gesetzeslage ändert. Dem stimmten alle Anwesenden uneingeschränkt zu.
Fortschritte in der Medizin
Prof. Berrouschot ordnete aber auch die Erfolge der modernen Medizin ein: "Wenn ich Sie hier erlebe, muss man die heutige Medizin dafür feiern, was sie heute alles ermöglicht, welche Fortschritte die Medizin beschreitet nicht nur bei der Transplantation selbst, sondern auch für ein langes beschwerdearmes Leben danach". Er versicherte, dass im KAL von medizinischer und auch von pflegerischer Seite aus alles für die Möglichkeiten der Organspende getan wird.
Dabei appellierte er an die Besucher: "Wenn alle so wären wie die Anwesenden, dann wäre das Thema gar nicht mehr so problematisch".
Dankeschön der Transplantierten
Diese Meinung teilten alle. Prof. Berrouschot habe ihnen aus dem Herzen gesprochen, insbesondere was die gesetzliche Situation angeht. Die Teilnehmenden der Radtour hoffen ebenfalls, dass die Organspende gesetzlich neu geregelt wird.
Sie seien auch unterwegs, weil sie denjenigen Mut machen wollen, die in Deutschland auf eine Organspende warten. In ihren Gesprächen stellen sie immer wieder fest, dass viele Menschen falsche und verquere Informationen über die Organspende besitzen. Dem wollen sie begegnen und dort vorbeifahren, wo Menschen sich engagieren, ohne die nicht transplantiert werden könnte. So dankten sie den Medizinern und Pflegenden im Klinikum Altenburger Land. Viele der Anwesenden werden im August in Dresden bei den World Transplant Games dabei sein.
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