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Regionales

00:00 Uhr | 08.07.2009

Füchse im Stadtgebiet

Landkreis. Füchse mitten im Wohngebiet, in Gartenanlagen oder im Stadion – bereits seit einigen Jahren häufen sich die Meldungen in Altenburg und Umgebung über Füchse in unmittelbarer Nähe der Menschen. Viele freuen sich dabei über die Gelegenheit, das Wildtier zu beobachten, füttern und schützen es. Andere beklagen sich aber über Schäden oder Belästigungen oder fürchten die Verbreitung von Krankheiten wie Fuchsbandwurm oder Tollwut.

„Bei uns sind schon einige Meldungen der Polizei, aber auch viele Anrufe direkt von Bürgern eingegangen, die Füchse im Stadtgebiet gemeldet haben“, berichtet Martina Wittig von der unteren Jagdbehörde im Landratsamt. „Gerade jetzt im Sommer häuft sich das, weil die Füchse Junge bekommen haben.“ Katzenfreunde stehen beispielsweise plötzlich vor dem Problem, dass sich bei der Fütterung im Garten oder hinter dem Haus am Futternapf plötzlich auch Reineke einstellt. „In solchen Fällen wird dann darum gebeten, dass wir eingreifen, den Fuchs einfangen, töten oder umsiedeln. Das ist aber gar nicht so einfach“, so Martina Wittig. „Viel wichtiger ist uns deshalb, darauf hinzuweisen, dass die Probleme teils hausgemacht sind. Man kann geeignete Maßnahmen ergreifen, damit der Fuchs gar nicht erst auf das eigene Grundstück kommt.“

Allgemein ist der Fuchsbestand in der Region wie vielerorts nach dem Rückgang der Tollwut Mitte der 80er Jahre angestiegen. Auch weil die Menschen ihre Siedlungsgebiete auf Wald- und Wiesengebieten, und damit auf den natürlichen Lebensraum des Fuchses stark ausdehnten, kommt es nun verstärkt zum Aufeinandertreffen. Die Füchse selbst sind Überlebenskünstler und kommen mit den neuen Bedingungen bestens zurecht. Die reichlich vorhandene Nahrung dürfte ein weiterer Grund sein, weshalb sich Füchse in unseren Siedlungsgebieten aufhalten. Sie sind Allesfresser: Beeren, Fallobst, Mäuse und Regenwürmer, aber auch Abfälle von uns Menschen. Besonders beliebt sind Nahrungsreste in Abfallsäcken, auf Komposthaufen oder Katzenfutter.

Das stellen auch die Stadtjäger der Region immer wieder fest. Dabei weisen sie die Betroffen oft erst darauf hin, dass das Füttern von Wildtieren nur in Notzeiten erlaubt ist. In der Stadt Altenburg selbst ist sogar das Füttern von Wildkatzen durch eine ordnungsbehördliche Verfügung verboten. Die Stadtjäger wissen: „Wo der Fuchs etwas findet, da geht er hin. Und Essensreste sind so anziehend, dass meist auch unter den Lauben oder Hecken der Bau angelegt wird.“ Wird ein Fuchs als Bedrohung empfunden oder werden Schäden in kleinen Geflügelhaltungen gemeldet, greifen die Stadtjäger im Rahmen ihrer Möglichkeiten ein. Meist stellen sie Kastenfallen auf, doch auch diese werden oftmals von Menschen außer Kraft gesetzt, um die Füchse zu schützen.

Außerhalb der Städte sorgen die Jäger bereits dafür, dass sich der Bestand nicht unkontrolliert vergrößert. Im Jagdjahr 2008/2009 wurden im Altenburger Land 1.170 Füchse erlegt, elf wurden verendet gefunden. In der unteren Jagdbehörde wurden zudem 135 Tiere, die bei Verkehrsunfällen getötet wurden, erfasst.

 

Einige der erlegten Füchse werden stichprobenartig im Thüringer Landesamt für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz auf den gefährlichen Fuchsbandwurm untersucht. 2009 waren dies bisher insgesamt 35 Füchse, bei vier von ihnen (11,42%) wurde die Echinococcose nachgewiesen.

Auch wenn die Tollwut kein Problem mehr darstellt, so sieht dies beim Fuchsbandwurm durchaus anders aus. „Der fünfgliedrige Fuchsbandwurm besiedelt vorwiegend den Darm von Füchsen, selten auch Hunden und Katzen. Mit dem Kot werden die Fuchsbandwurmglieder und Eier ausgeschieden. Gefahr droht, wenn der Mensch diese dann z. B. über Beeren, Bärlauch, Pilze, Fallobst oder Salat aufnimmt”, erklärt Dr. Martina Schwope vom Fachdienst Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung. Es kann zur Weiterentwicklung der Eier im Mensch kommen. Die aus den Eiern schlüpfenden Larven können sich im ganzen Körper verteilen und an unterschiedlichen Organen tumorartiges Gewebe bilden.

In Panik braucht aber niemand zu geraten. Einfache Hygienemaßnahmen stellen einen wirkungsvollen Schutz gegen die Infektion dar. Obst und Gemüse ist vor dem Verzehr gründlich unter fließendem Wasser zu waschen. Beim Einkochen von Früchten werden die Eier sicher abgetötet, nicht aber beim Einfrieren. Nach Freizeitaktivitäten in Wald und Flur sollten die Hände gründlich gewaschen werden. Hunde und Katzen sollten regelmäßig entwurmt werden.

Füchse können nicht einfach aus der Stadt vertrieben werden. Ein paar Verhaltensregeln helfen aber, die Probleme mit diesen neuen Stadtbewohnern gering zu halten:

 
Füttern Sie Füchse und andere Wildtiere, auch Wildkatzen nicht. Sie finden alleine genügend Nahrung.

Werfen Sie keine Knochen und Fleischabfälle auf den Kompost und decken Sie Ihren Komposthaufen ab, damit er für Füchse nicht zugänglich ist.

Keine Futterteller für Haustiere draußen aufstellen, möglichst kein Fallobst liegenlassen, Beeren vergittern.

Unterschlupfmöglichkeiten

(z. B. unter Gartenhaus) verschließen. Achten Sie darauf, dass Füchse durch schmale Spalten von nur 12 cm schlüpfen können.

Beginnende Grabtätigkeiten (Löcher) wieder verschließen.

Stellen Sie Müllsäcke nur in Containern und nicht für längere Zeit an die Straße, damit die Füchse, Marder oder Katzen diese nicht zerfetzen.

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