Altenburg, 16.12.2017 21:25 Uhr

Regionales

Theatertipps zum Wochenende für Altenburg

„Von Männern und anderen falschen Fuffzigern" heißt das Programm, mit dem das KABARETT FETTNÄPPCHEN aus Gera mit Eva-Maria Fastenau und Michael Seeboth am Freitag, 13. Oktober, um 19.30 Uhr im Heizhaus des Landestheaters gastiert.
Wie heißt es so schön: Über Geld spricht man nicht, das hat man. Nur Siegrid und Ralf haben es gerade nicht. Aber die Klempnerrechnung muss bezahlt werden, denn der hat soeben den Kühlschrank repariert, ohne den Ralfs Bier warm wäre. Siegrid war gerade beim Friseur, und der Blick auf den Kontoauszug offenbart nicht nur Amazon-Bestellungen sondern auch jede Menge Baumarkteinkäufe. Da heißt es dann ganz schnell: Geld oder Liebe.
Aber nicht nur Siegrid und Ralf haben ihren Streit, auch zwei Euros unterm Kopfkissen, Jason Madox mit Oma und Karl und Heinz am Stammtisch.
Ralf muss eine Midlifekrise gestehen und wäre eigentlich lieber im Club der Millionäre.
Auf jeden Fall heißt es hier nicht mehr: Bei Geld hört der Spaß auf! Sondern: Bei Geld fängt der Spaß an!

Brechts Stück „Mutter Courage und ihre Kinder" erlebt am Samstag, 14. Oktober, um 19.30 Uhr seine Altenburger Premiere im Landestheater.
Bertolt Brecht (1898-1956) schrieb „Mutter Courage" 1938 im schwedischen Exil. Es handelt von Anna Fierling, genannt Mutter Courage, die mit ihren drei Kindern durch Europa zieht und die Truppen mit Waren versorgt. Das 1941 in Zürich uraufgeführte Lehrstück spielt zwar im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648), war aber seinerseits hoch aktuell und brisant: Mit „Mutter Courage" wollte Brecht die skandinavischen Länder davor warnen, aus rein wirtschaftlichen Interessen in den Zweiten Weltkrieg einzugreifen. So wie Brecht die Auseinandersetzungen im Dreißigjährigen Krieg als Parabel nutzt, um über die aktuelle Lage Europas Ende der 1930er aufmerksam zu machen, so ist auch die Inszenierung des Regisseurs Turgay Doğan hoch aktuell und politisch. Dabei nutzt er Brechts Verfremdungstechniken und entwickelt sie weiter. So zeichnet das Stück das Bild einer kapitalistischen Gesellschaft, die es versteht, aus Leid und Not einen Nutzen zu ziehen. Mutter Courage verliert mit jedem Verlust eines ihrer Kinder ein Stück mütterlicher Wärme und gewinnt an wirtschaftlicher Effizienz. Auf der Drehbühne, die mit Kisten und Kartons bepackt, als Waagen der Courage fungiert (Bühnen- und Kostümbild Lilith-Marie Cremer), verwebt Turgay Doğan die zeitlosen Texte Brechts und die anspruchsvollen Lieder von Paul Dessau mit aktuellen Videos in youtube-Ästhetik (Viedoarbeit: Katrin Köhler), die aktuelle Kriege, Konflikte und Diktaturen reflektieren.
Zur Premiere in Altenburg werden sich dabei auch zwei der neuen Ensemblemitglieder präsentieren: Maximilian Popp wird Eilif, den ersten Sohn der Courage, verkörpern, Alexandra Sagurna übernimmt die Rolle der Yvette Portier. Außerdem kann sich das Publikum auf ein Wiedersehen mit Anne Diemer freuen, die als Gast die stumme Tochter Kattrin spielt. In der Titelrolle Mechthild Scrobanita, seit 1980 in Altenburg engagiert.
Der deutsch-türkische Schauspieler, Regisseur und Dramatiker Turgay Doğan wurde 1974 in Gelsenkirchen geboren. Er lebt in Istanbul und ist Gründer und Autor der Istanbuler Theatergruppe „gnlv" und Verfasser zahlreicher Theatertexte. Außerdem arbeitet er regelmäßig für das Goethe Institut Istanbul. Turgay Doğan ist als Fernsehschauspieler unter anderem regelmäßig in der ARD zu sehen, in der Krimireihe Mordkommission Istanbul spielt er den Gerichtsmediziner.
Schauspieldirektor Bernhard Stengele, der Doğan für die Inszenierung 2015 nach Altenburg/Gera holte, sieht die Herausforderung bei der Inszenierung darin, „Mutter Courage" nicht als musealen Klassiker zu behandeln, sondern als Stück brennenden Zeitgeschehens. Deshalb seine Entscheidung für Turgay Doğan als Regisseur, der die Hälfte seines Lebens in der Türkei verbrachte, die andere in Deutschland, genauer im Ruhrgebiet, das seinen Humor stark prägte. In der Türkei herrscht Bürgerkrieg. In Deutschland die sogenannte Flüchtlingskrise. Beide Länder verdienen am Krieg in Syrien, wie Anna Fierling am 30-jährigen Krieg....
19.00 Uhr erwartet Dramaturgin Svea Haugwitz Interessierte zur Einführung im Foyer 1. Rang.

Mit einem ganz besonderen Programm beginnt in dieser Spielzeit am Sonntag, 15. Oktober, um 11 Uhr, die Reihe der Kammerkonzerte bei Theater&Philharmonie Thüringen, die jetzt immer im Altenburger Logenhaus stattfinden werden.
Im Jahr 2017, in dem Martin Luther und 500 Jahre Reformation gefeiert werden, präsentieren Musiker des Philharmonischen Orchesters Altenburg-Gera in diesem Kammerkonzert Kompositionen aus der Zeit des großen Reformators. Dazu zählen Musiker wie der aus Halle stammende Samuel Scheidt (1587-1654), Ludwig Senfl (1490-1543) oder auch Martin Agricola (1486-1556), der als erster Teile von Luthers Choral Ein feste Burg ist unser Gott vertonte.
Besondere Attraktivität gewinnt das 1. Kammerkonzert durch seine außergewöhnliche Besetzung: das Publikum kommt hier in den seltenen Genuss, einem Gambenconsort zu lauschen! Ein solches Consort ist ein kammermusikalisches Ensemble, das sich aus mehreren Gamben in unterschiedlicher Tonlage zusammensetzt und seinen Höhepunkt in der Spätrenaissance hatte - eine echte musikhistorische Perle! An der Viola da gamba musizieren Daniel Gutierrez, Tillmann Steinhöfel, Jesús Antonio Clavijo Rojas und Isabella Vescovi, wobei sie klangvolle Unterstützung von der Sopranistin Clarissa Thiem erhalten.

Der „Kuh Rosmarie" gehört die Bühne im Theater unterm Dach am Sonntag, 15. Oktober um 16 Uhr. Puppenspielerin Lys Schubert spielt die herrliche Geschichte, die auf einen Bauernhof führt, für Kinder ab 4 Jahre. Eigentlich könnten alle Bauernhoftiere glücklich sein. Aber die Kuh Rosmarie hat an allen etwas auszusetzen. Das Schwein soll sich nicht schmutzig machen, der Hund länger kauen und der Goldfisch sich endlich eine Badehose anziehen. Lange Zeit beobachtet der Bauer, wie Rosmarie mit den anderen umspringt. Dann jedoch hat er die Nase voll. Er kauft ihr ein Flugticket, das sie möglichst weit weg bringt - nach Afrika. Endlich können alle wieder tun, wozu sie Lust haben. Eines Nachts jedoch kommt ein Löwe auf den Hof, da er es zuhause nicht mehr aushält: Er sollte seine Mähne kämmen und eine Schleife hinein binden. Und er bleibt nicht der einzige, der vor der Kuh aus Afrika flieht ...

Nach der vom Publikum mit herzlichem Applaus bedachten Premiere des Schauspiels „Elling" steht am Sonntag, 15. Oktober, um 18 Uhr die nächste Vorstellung auf dem Spielplan im Heizhaus. Lassen Sie sich ein auf die herzerwärmende Geschichte von Elling (Johannes Emmrich) und seinem Mitbewohner Kjell Barne (Ioachim Zarculea), die aus der Psychiatrie kommen und ihren Platz in einem selbstbestimmten Leben finden sollen. Das steckt auch in Oslo voller Tücken, die zu meistern ihnen Betreuer Frank (Manuel Struffolino) helfen soll. Eine wunderbare Rolle spielt dabei auch Nachbarin Reidun (Michaela Dazian).

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