Altenburg, 16.02.2019 17:10 Uhr

Redaktions-Blog

10:38 Uhr | 26.08.2016

Plötzlich alles kein Problem?

Wenn man als Journalist tätig ist, dann erlebt man immer wieder Überraschungen. Die jetzige Bewerbung zur Landesgartenschau ist ein solcher Moment. Schon seit Jahren brachte die CDU dieses Thema ins Spiel und prallte immer mit Blick auf die Kosten und Folgekosten an der eher nüchternen Verwaltung ab. Dass deren oberster Chef jetzt mit dem Vorschlag selbst kommt ist dann eben eine dieser Überraschungen.
Und auf den ersten Blick klingt es sogar recht logisch. Da das Areal um den Großen Teich nicht in der Innenstadt liegt, gibt es keine Städtebauförderung für dort notwendige Sanierungen. So musste man immer ideenreich sein, um Dinge wie Brückensanierung oder Wohnmobilstellplatz zu finanzieren. Insofern sind mögliche Fördermittel durch eine Landesgartenschau eventuell ein letzter Strohhalm, um hier etwas zu bewegen. Der Griff nach dem Strohhalm könnte aber auch der Griff nach unerreichbaren Sternen sein.
Mindestens 30 Prozent Eigenanteil an den Kosten muss die Stadt Altenburg für die Gartenschau selbst tragen (In Apolda kostet die Landesgartenschau 30 Millionen Euro, Schätzungen gehen sogar von der doppelten Summe aus). Also rund 10 Millionen Euro müssen aus Altenburgs Haushalt in den nächsten sieben bis acht Jahren kommen.
Und hier kommt die zweite Überraschung, immerhin klingt einem noch eine Neujahrsrede in den Ohren, als der vorläufige Baustopp am Altenburger Marstall nach dessen Dachsanierung angekündigt wurde. Wenn man dies weiter verfolgen würde, so würde dies die Eigenmittel der Stadt an ein Projekt derart binden, dass keine weiteren Investitionen über Jahre hinaus möglich wären. Dabei ging es um deutlich weniger Geld, als die Gartenschau verschlingen soll. An dieser Stelle hat man wieder den Strohhalm vor Augen wie er bricht oder die Hand, die die Sterne verfehlt.
Im Grunde haben die Altenburger Glück, denn die notorisch pleite Nachbarstadt Gera ist ein mahnendes Zeichen, dass man nicht das tun sollte, was man sich nicht leisten kann. Die bislang stabile Haushaltslage Altenburgs zu gefährden wäre ein enormes Abweichen vom bisherigen Kurs der Rathausspitze. Und das wäre dann auch wieder eine Überraschung.

weitere Meldungen aus dieser Rubrik

17.04.2018

Sieger, Verlierer und Wahlfehler

Der strahlende Wahlsieger heißt André Neumann und damit zieht der 40jährige Mitte des Jahres als oberster Altenburger in das Altenburger... [mehr]

15.12.2014

Im (Schein)Kampf gegen den Gestank?

Fast könnte man vermuten, dass der Vorsitzende des Altenburger Bauausschusses, Peter Müller (Pro Altenburg), im Sinne der Anwohner des... [mehr]

10.11.2016

Vom Mauritianum und Hausaufgaben

Manchmal sitzt man als Journalist mit großem Erstaunen in Veranstaltungen wir einem Kreistag und fühlt sich ein wenig, als wäre man zu... [mehr]

12.09.2018

Man kann sehen, wer es ernst meint

Wenn man dieser Tage etwas zurück schaut oder aber nach vorn, dann sieht man das Potential an Menschen in Altenburg und dem Landkreis,... [mehr]

15.03.2017

Der Realität verweigern?

Gibt es in Altenburg nun Rassismus oder nicht? Altenburgs Oberbürgermeister scheint darin Einzelfälle zu sehen, die, wenn darüber... [mehr]

25.05.2014

Good bye Stadtrat und Kreistag

Jawohl sie sind die Geschichte, der alte Stadtrat in Altenburg und der alte Kreistag des Landkreises. Doch der König ist tot und lang... [mehr]

05.03.2014

Wahlkämpfer bringen sich in Stellung

Noch sind nicht alle (Wahl-)Würfel gefallen, aber zumindest die ersten, und da lohnt es sich, etwas im Kaffeesatz zu lesen. Immerhin... [mehr]

28.04.2015

KITA-Prozess: Mehr Unklarheiten?

Die Erzieherinnen sind im Prozess um die Vorkommnisse in der Altenburger KITA Spatzennest freigesprochen wurden. Damit könnte man zur... [mehr]

16.01.2014

Politische Fehler, die nicht korrigierbar sind

„Außer Spesen nix gewesen“, das dürfte bei den Bürgern des Altenburger Landes hängen bleiben, wenn man auf den Streit um das... [mehr]