09:49 Uhr | 11.02.2026
Muffel-Wild als Plage in Ostthüringen
Thüringen. Während Landwirte und Waldbesitzer im Osten und Süden des Freistaats über massive Schäden durch riesige Muffelwildherden klagen, bringt der NABU Thüringen eine fast schon provokante Lösung ins Spiel: Statt den Wolf zu bejagen, sollten wir ihn als nützlichen Helfer im Ökosystem begreifen.
Die Bilder, die Naturschützer und Forstleute derzeit erreichen, sind beeindruckend und besorgniserregend zugleich. In Ost- und Südthüringen rotten sich Mufflons – eine ursprünglich von den Mittelmeerinseln stammende Wildschafart – zu riesigen Verbänden zusammen. Sie hinterlassen in den Wäldern und auf den Feldern eine Schneise der Verwüstung, fressen junge Baumtriebe und Feldfrüchte.
Massive Herden bereiten Sorgen Silvester Tamás vom NABU Thüringen bestätigt das Ausmaß des Problems: „Auch der NABU bekommt regelmäßig Videos von Muffelherden zugeschickt, die bis zu 300 Tiere zeigen. Mittlerweile sind das allerdings keine Einzelfälle mehr. Wir wissen von mehreren vergleichbar großen Muffelherden.“
Für die Waldbesitzer, die nach den Dürrejahren und dem Borkenkäferbefall um jeden nachwachsenden Baum kämpfen, ist dies eine Hiobsbotschaft. Die Sorge sei groß, „dass die Schäden im Wald und in der Flur noch mehr zunehmen“, so Tamás.
Raubtiere als Öko-Dienstleister Hier kommen für den Naturschutzbund die großen Beutegreifer ins Spiel. Wolf und Luchs erfüllten eine Schlüsselfunktion im Ökosystem, da sie Wildbestände nicht nur regulieren, sondern auch „gesund“ halten. Sie erbeuten vorzugsweise kranke oder schwache Tiere und sorgen für eine natürliche Verteilung des Wildes.
Im Kampf gegen die Überpopulation der Mufflons sieht der NABU die Rückkehr der Raubtiere daher nicht als Plage, sondern als Chance zur Entlastung der Land- und Forstwirtschaft. „Wolf und Luchs sind aus unserer Sicht als Partner der Jäger zu verstehen. Sie jagen flächendeckend und rund um die Uhr“, erklärt Silvester Tamás den pragmatischen Ansatz. Dies würde helfen, die Verbissschäden im Wald und Fraßschäden in der Landwirtschaft spürbar zu reduzieren.
Kritik an der Landesregierung Vor diesem Hintergrund übt der NABU scharfe Kritik an der aktuellen politischen Linie der Thüringer Landesregierung aus CDU, SPD und BSW. Dass sich die Koalition vehement für eine Bejagung des Wolfes und wolfsfreie Gebiete einsetzt, ist für die Naturschützer nicht nachvollziehbar.
Aktuelle wissenschaftliche Daten stützen die Haltung des NABU: Mit nur etwa 30 Tieren im Freistaat befinde sich der Wolf keineswegs in einem günstigen Erhaltungszustand, wie oft behauptet werde. Er benötige daher weiterhin Schutz. Der Verband fordert in der Diskussion um das Jagdrecht eine Rückkehr zur „faktenbasierten Sachlichkeit“. Ein Umdenken sei dringend erforderlich – nicht nur für den Artenschutz, sondern ironischerweise gerade im wirtschaftlichen Interesse der Waldbesitzer und Bauern.
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