„Traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast.“ Der Ausspruch von Winston Churchill dürfte manchem Verfechter des Leipzig-Altenburg Airport durch den Kopf gehen, wenn er die heute vorgestellte Studie des Landes Thüringen zum Airport durchlesen wird.
Diese hatte das Thüringer Verkehrsministerium beim Unternehmen Kurte und Esser GbR aus Köln in Auftrag gegeben. Damit erhält der Airport seine mittlerweile dritte Studie, zu seiner Zukunft. So hatte der Verkehrsexperte Prof. Dr. Richard Klophaus den Flugplatz als mitteldeutschen Platz für sogenannte Low Cost Carrier gesehen. Schon in den ersten Jahren habe der Airport ein Incoming-Geschäft von 11 Millionen Euro erwirtschaftet. Davon flossen zwei Drittel allerdings nach Sachsen, denn bis heute nutzt Thüringen am Leipzig-Altenburg Airport nicht einmal die Möglichkeit der kostenlosen Tourismuswerbung. Dies hatte die alte Landesregierung überzeugt, sich stärker am Platz zu engagieren. Nach der Landtagswahl wurden allerdings zugesagte fünf Millionen eingefroren.
Eine weitere Studie der IHK-Ostthüringen kam jetzt zu dem Schluss, dass lediglich der Leipzig-Altenburg Airport eine Überlebenschance im Freistaat haben würde. Für den Flugbetrieb in Erfurt gäbe es zwar gigantische Subventionen vom Land, aber leider keine Passagiere.
Jetzt folgt nun eine Studie des Verkehrsministeriums, die über das Wohl und Wehe des Altenburger Platzes entscheiden könnte. Diese kommt zu anderen Schlüssen. Das ist durchaus interessant, denn immerhin hat das Beratungsunternehmen Kurte und Esser den Flughäfen in Berlin oder Köln/Bonn eine rosige Zukunft mit Billigfliegern vorhergesagt. So heißt es in einer der Studien, dass „wirtschaftliche Vorteile für regionale Unternehmen als Nutzer des Low-Cost-Angebotes am Flughafen Köln/Bonn“ entstehen.
Von einer solchen Chance steht in dem Gutachten für Altenburg freilich nichts. Kann es auch nicht, denn danach wurde nicht gefragt. Fazit der Studie, die Gesellschafter wie Landkreis Altenburger Land oder Stadt Altenburg könnten in Zukunft den Flugverkehr von Ryan Air nicht mehr selbst subventionieren. Das ist nun so neu nicht, denn zu diesem Schluss kommen sowohl Klophaus als auch die IHK Ostthüringen und sehen hier auch den Freistaat in der Verantwortung. Aber Kurte und Esser gehen weiter, denn sie sehen Lowcost in ihrer Studie als defizitäres Geschäft. Das wieder passt so gar nicht zu den Studien, die das Unternehmens selbst auf der eigenen Internetseite präsentiert und manch einem mag dabei wieder Churchills Zitat einfallen. Auch bei der Berechnung eines fiskalischen Nutzens kommt die Erfurter Studie zu anderen Ergebnissen als Klophaus oder die IHK. Von der sonnigen Zukunft, den man anderen Airports voraussagt, ist nichts mehr übrig.
Doch das Thema ist durchaus breiter gefasst. So betrachtet die Studie auch die Chance des, den Flugplatz angrenzenden, Gewerbegebietes. Hier empfiehlt man die Ansiedlung von Gewerbe und kommt sogar zu dem Schluss dass die „Kompensation der regionalwirtschaftlichen Verluste durch Ansiedlungserfolge im Industriegebiet möglich“ wären. Das klingt schlüssig und gut, nur dass das Gewerbegebiet im Eigentum der LEG ist, die sich seit über 10 Jahren um das gleichmäßige Rasenmähen der meist leeren Flächen kümmert.
Verkehrsminister Carius konstatiert nun via Pressmitteilung „Wenn auf dem Flugplatz – unter Verzicht auf den Lowcostverkehr – ausschließlich Allgemeine Luftfahrt stattfindet, können aus eigener Kraft positive regionale Beschäftigungs- und Wertschöpfungseffekte erzielt werden.“ Das heißt im Klartext, gibt es am Airport keine Flüge, die bezuschusst werden, dann wäre dies ja ein finanzierbares Konzept. Ein Flughafenkonzept ohne Flüge, verlockend dürfte dies für die Altenburger aber keineswegs klingen.
Eine schlüssige Idee für den Airport in der Zukunft, bleiben Landesregierung und auch die Studie komplett schuldig. Das angebliche Konzept mit dem illustren Namen „General Aviation“, welches Kurte und Esser vorschlagen, dürfte vor allem ihrem Auftraggeber gefallen. Wenn man den Lowcost-Verkehr einstellen würde und es damit faktisch kaum Flugbewegungen gäbe, so müssten jährlich nur mehr 830.000 Euro zugeschossen werden. Dafür bräuchte man dann aber das Land nicht, denn dies könne aus den Pflichtzuschüssen der bestehenden Gesellschafter getragen werden. Auch mit den sinkenden Abschreibungen würde der Geschäftsbetrieb immer lukrativer. In diesem vorgeschlagenen Konzept ist interessanterweise von nicht einer Flugbewegung in irgendeiner Weise die Rede.
Mehr dazu in unserer nächsten Sendung!
Reiner | 28.09.2010 17:52










