Neujahrsempfänge sind durchaus wichtig. Zumindest einmal im Jahr treffen sich hier die unterschiedlichsten Vertreter aus Wirtschaft, Politik oder Kultur und kommen ungezwungen miteinander ins Gespräch. In einem Wahljahr werden Neujahrsempfänge besonders interessant, dienen sie doch auch dazu, dass ein Bürgermeister oder ein Landrat auf das Geschaffene zurückblicken und, viel wichtiger, auf die Vorhaben der Zukunft vorausschauen kann. Wenn es diese denn gibt.
Denn genau hier enttäuschte die Rede des derzeitigen Landrates Sieghardt Rydzewski (parteilos) auf ganzer Linie. In den Gesprächen nach dem offiziellen Teil, war diese Enttäuschung den Gästen anzumerken.
Die Hälfte der Rede beschäftigte sich mit globalpolitischen Themen wie Fukushima oder dem Amok-Lauf in Norwegen. Durchaus wichtige Themen, die aber in einer Rede der Bundeskanzlerin deutlich besser aufgehoben sind und bei einem Landrat eher das Fehlen eigener Themen kaschieren. Von neun Seiten Redemanuskript, bleiben daher nur noch knapp fünf Seiten zu den Themen, mit denen sich ein Landrat besser beschäftigen sollte: Seinem Landkreis.
Und hier fehlt es dann vollkommen an jeglicher Vision. Mittlerweile habe sich auch der Landrat damit abfinden müssen, dass es einst einen Großkreis Altenburg-Greiz-Gera geben wird. Auf Konzepte welche Pflöcke aber jetzt eingeschlagen werden müssten, um hier künftigen die Positionen und Projekte des bestehenden Landkreises zu sichern, wartete man vergeblich.
Informationen dazu, wie man weiter für eine bessere infrastrukturelle Anbindung kämpfen will fehlten in der Rede ebenso, wie Konzepte für den Landkreis als Wohnstandort südlich von Leipzig. Die geplante Milliardeninvestition von VW am Standort Zwickau, scheint ebenfalls keinen Arbeitsaufwand im Landkreis nach sich zu ziehen.
Themen wie Bevölkerungsschwund, Fachkäfte- oder Ärztemangel fehlten in der Rede ebenso, wie entsprechende Lösungsansätze aus dem Landratsamt.
In den anschließenden Gesprächen gab es dann ein häufiges Thema: Gibt es keine dieser Konzepte für die Zukunft des Landkreises?
Insofern war die Rede des Landrates fast schon erschreckend, fehlte ihr scheinbar komplett der Wille für eine Wiederwahl ins Amt in diesem Jahr. Für die Herausforderer des Landrates von CDU und Linke dürfte die Rede eine Steilvorlage gewesen sein. Eine Rede, die Resignation verbreitete, vor dem Hintergrund, dass es immer weniger Geld aus Erfurt geben wird. Ideen und Visionen - Fehlanzeige.
In unserer Sendung am 27. Januar gibt es dazu weitere Informationen.
Leser X | 23.01.2012 10:54










