Prinzenraub die Dritte hieß es am Donnerstag, den 5. Juli 2007 auf dem Altenburger Schlosshof. Und erneut gab sich Kunz von Kauffungen ein Stelldichein und lockte in eine nicht ganz ausverkaufte Premiere.
In der dritten Auflage und bedingt durch Bauarbeiten auf dem Schloss sollte alles anders werden. In diesem Jahr entschied man sich für ein Stück von 1586, welches die Geschichte um den Raub der Prinzen Ernst und Albrecht in Reimform erzählt. Dabei ging der Autor Nicolaus Roth bei weitem nicht in die Tiefe. Kauffungen ist hier nicht das Opfer seiner Zeit, eher der grimmige Bösewicht, dessen Vorhaben und vor allem dessen Geldgeschenke sich und seine Mitstreiter ins Verderben führen.
Das historische Stück wird drei mal von einem Bauleiter und einer Marketingdirektorin aus der heutigen Zeit unterbrochen. Während ersterer die Vorstellung wegen der Bauarbeiten abbrechen will, sorgt die Vermarktungschefin, gespielt Mechthild Scrobanita, immer wieder für deren Weiterführung. Dass dabei der Bauleiter ausgerechnet mit der Genehmigung des Oberbürgermeisters die Spiele untersagen will und die Marketingleiterin eine Genehmigung des Landrates zum Weiterspielen hat, ist freilich ein Faupax, der so manchen erstaunt haben dürfte.
Lutz Gotter setzte bei seiner Inszenierung auf bewährte Effekte. So beginnt das Stück mit einer Massenszene, dem Markttag, welche dem Charakter der Festspiele mehr als gerecht wird. Auch der eigentliche Raub mit atemberaubenden Stuntszenen wirkt logischer als bei den vorherigen Aufführungen.
Allerdings kann der Abend nicht allein von diesen Effekten leben. Mit keiner der Figuren ist eine Identifikation möglich. Sah man im letzten Jahr die tragische Geschichte des Kunz von Kauffungen, so bleiben in diesem Jahr zu viele Fragen über Motive und Ursachen offen. Auch wenn mit, dem erst kurz vor der Premiere eingesprungenen, Andreas Rehschuh (Peter Prautsch erkrankte) ein sehr guter Ersatz gefunden wurde, so dürfte das gewählte Stück dessen Möglichkeiten massiv unterfordern.
Die Unterbrechungen durch Bauleiter und Marketingdirektorin sind deutlich zu lang und wirken oft aufgesetzt. Die langatmigen Dialoge vermitteln eher den Eindruck von politischem Argumentationsmaterial für die generelle Weiterführung der Prinzenraubfestspiele. Das ist maximal von lokalem Interesse. Auch der Seitenhieb auf den Streit zwischen Landrat und Oberbürgermeister dürfte vom überregionalen Zuschauer nicht verstanden werden. Die schauspielerische Leistung von Jörg Dathe als Bauleiter ist allerdings hervorragend. Er wirkt authentisch.
Lutz Gotter hat aus 2006 die Szenen der Büßer und der Aufständischen übernommen. Diese haben jedoch lediglich einen Schauwert als Massenszenen. Die Handlung bringen sie nicht voran, auch ist manches Zitat geschichtlich fragwürdig. So spricht der Anführer einer revoltierenden Menge vom Aufstand der Arbeiter. Mal abgesehen davon, dass der Begriff „Arbeiter“ erst seit Beginn des 19. Jahrhunderts existiert, begannen die Aufstände von Bauern und Handwerkern in Deutschland erst 20 Jahre nach dem Prinzenraub.
Vollkommen unklar ist der Ausgang des Stückes. So unterbricht der Bauleiter die Hinrichtung Kunz von Kauffungens und lässt diesen dadurch „Hochleben“, dass er ihn an einen Baukran hängt und auf dem Dach des Festsaalflügels absetzt. Hut ab vor der Leistung des Stuntman, aber inhaltlich ist dies ziemlich platt.
So macht die Inszenierung den Prinzenraub 2007 zu einem netten lokalen Ereignis. Die Aufgabe, überregional bedeutende Festspiele zu werden, dürfte so nicht gelingen. Da war man 2006 schon deutlich weiter.
Nicht unerwähnt bleiben sollte die hervorragende Leistung der ca. 200 Laiendarsteller, die derzeit den Schauwert des Stückes ebenso darstellen wie die schon erwähnten Einlagen der Stunt Factory.
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